Grönland sei ein schönes Land. So der amerikanische Präsident Trump und deshalb solle es zu Amerika gehören. Am 22. Dezember 2024 teilte er mit, er wolle Grönland den Vereinigten Staaten von Amerika einverleiben. Am 7. Januar 2025 bekräftigte er ausdrücklich, er schließe um dies zu erreichen, weder wirtschaftliche noch militärische Zwangsmaßnahmen aus.
Was hat das mit dem „schönen Land“ auf sich? Betrachten wir dieses imperialistische Interesse des US-Kapitals einmal genauer.
Das gesamte grönländische Inland ist von einem Eisschild bedeckt. Im Norden der Insel liegt der vereiste Arktische Ozean. Grönland ist die größte Insel der Welt mit nur 56.000 Einwohnern und es ist reich an Bodenschätzen und an Rohstoffen wie Erdöl, Gold, Gas, Eisen und seltenen Erden. In Grönland schmilzt das Eis, die Rohstoffe der Insel können dadurch leichter abgebaut werden. Bisher sind diese Vorkommen an Bodenschätzen kaum erschlossen. Aber der innerimperialistische Konkurrenzkampf um die Neuaufteilung der letzten Bodenschätze der Erde hat schon längst begonnen. Nicht erst seit heute gibt es Begehrlichkeiten auf Grönland.
Das Land wurde von Dänemark-Norwegen kolonisiert und gehörte seit 1953 zu Dänemark. Mit der Dekolonialisierung entwickelte sich grönländisches Kapital und Grönland erhielt 1979 seine formale Autonomie. Imperialistische Ansprüche prägen bis heute die Verhältnisse in Grönland und auch strategisch ist die Insel von großer Bedeutung.
Konkrete Vorstöße sich gegenwärtig die Rohstoffe Grönlands anzueignen, unternahm der US-Imperialismus erstmals im Jahr 2019. Neben dem Kampf um die Rohstoffe der Insel geht es auch um geostrategisch bedeutende Seewege. Und auch der deutsche Imperialismus spielte in der Vergangenheit wie auch in der Gegenwart im Kampf um die Rohstoffe und Seewege des Landes kräftig mit. Nach der Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1871 stationierte die kaiserliche Marine ihre „Ostamerikanische Station“. Deutsche Kriegsschiffe operierten hauptsächlich von St. Thomas aus in dieser Region. Die dänische Kolonie wurde somit das Sprungbrett für die deutsche Kanonenbootpolitik. Aufgrund der Aktivitäten der deutsche Marine in der Karibik wuchs auch das amerikanische Kapitalinteresse, die dänischen Jungferninseln zu kaufen. Das erfolgte dann auch im März 1917. Mit der Kriegserklärung an das Deutsche Reich ging das Sprungbrett des deutschen Imperialismus in die Region verloren und der US-Imperialismus baute seine Dominanz aus.
1940 besetzten deutsche Truppen Teile Dänemarks und auch Grönland. Diese dänische Kolonie war als Brücke Nordamerikas zu Skandinavien nicht zu unterschätzten. Im Dezember 1941 traten die USA in den Zweiten Weltkrieg ein. Amerikanische Truppen besetzten Grönland und errichteten mehrere Militärbasen. Nach Kriegsende erfolgte der Versuch, Grönland für 100 Millionen US-Dollar zu kaufen. Die dänische Regierung lehnte ab. Aber die USA erhielten 1952 das Recht der dauerhaften Nutzung der Militärbasis Thule im Nordwesten Grönlands.
Aber auch das EU-Kapital möchte etwas von dem „Kuchen“ in Grönland haben. Mittlerweile ist eine Stationierung von EU-Streitkräften in Grönland in der Diskussion. Der Vorsitzende des EU-Militärausschusses, der österreichische General Robert Brieger, sprach davon, dass es durchaus sinnvoll sei, in Grönland „eine Stationierung von EU-Soldaten in Erwägung zu ziehen“: „Das wäre ein starkes Signal“. Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot erklärte, die Arktis sei zu einem „neuen Konfliktfeld“ geworden, auf dem man „auswärtige Einmischung“ beklagen müsse. „Wenn unsere Interessen auf dem Spiel stehen“, dann werde man über die Entsendung von Militär auch nach Grönland nachdenken.
Und wie reagiert die dänische Bourgeoisie darauf? Sie hat begonnen, in Grönland aufzurüsten. Es sollen 14,6 Milliarden Dänische Kronen, das sind knapp zwei Milliarden Euro, bereitgestellt werden, um unter anderem drei arktistaugliche Kriegsschiffe sowie zwei Langstreckendrohnen zu beschaffen, mit denen ausgedehnte Überwachungsflüge möglich sind. Außerdem soll die Kriegsführung in arktischem Gelände intensiver als bisher geübt werden. Für die Außen- und Verteidigungspolitik der Insel ist die dänische Regierung trotz Grönlands formaler Autonomie weiterhin verantwortlich.
Der Einfluss des deutschen Imperialismus durch die Bundesregierung ging nicht verloren. In den vergangenen Jahrzehnten setzte sie in den Arktisfragen stets auf eine enge Kooperation mit Dänemark. Ein Experte der von der Bundesregierung mitfinanzierten Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) bezeichnete Grönland dabei als „Europas Tor zur Arktis“.
Trumps Überlegungen sich Rohstoffe Grönlands anzueignen, sind nichts Neues. Sie reichen weit in die Geschichte zurück. Schon während des US-Bürgerkriegs (1861–1865) zog der Außenminister der Nordstaaten, William H. Seward (im Amt 1861–1869), einen Kauf Grönlands durch die USA in Betracht. Im Jahr 1867 schrieben Mitarbeiter des geodätischen Dienstes der USA (US Coast Survey) einen umfassenden Bericht über Grönland, in dem unter anderem die Rohstoffvorkommen der Insel beschrieben wurden. Heute sind dänische und amerikanische Konzerne an den Minengesellschaften des grönländischen Kapitals beteiligt.
Aber auch der chinesische Imperialismus zeigt Interesse an den Rohstoffen Grönlands. Chinesisches Kapital ist an jenen Minengesellschaften ebenso beteiligt. Und auch am Ausbau der Handelsbeziehungen mit der chinesischen Bourgeoisie zeigt die grönländische Bourgeoisie ein reges Interesse. So hat die Autonomieregierung Grönlands seit 2021 einen eigenen Vertreter in der dänischen Botschaft in China.
So betrachtet ist der Versuch Trumps und der US-Bourgeoisie sehr ernst zu nehmen. Denn der Imperialismus ist an seinen Grenzen angelangt. Die ökonomischen Widersprüche spitzen sich weltweit zu und eine Krise löst die andere ab.
Es besteht die ernsthafte Gefahr, dass die innerimperialistische Konkurrenz der Bourgeoisien untereinander in einem 3. Weltkrieg endet. Der Auslöser könnten die Bodenschätze in Grönland sein.
(Nach einer Artikelserie von German-Foreign-Policy)